Pressebericht

Nackedeis und Schönlinge

WAZ Duisburg, 22.06.2008, Von Fabienne Piepiora

Sie genießen ihren Auftritt: Am Wochenende posierten zahlreiche Stubentiger in der Eissporthalle. Den Züchtern sind Preise im Zweifelsfall wichtiger als ihre Samtpfoten. Die mögen lieber Spielzeug und Futter.

INTERNATIONALE RASSE-KATZEN-AUSSTELLUNG

Maritha Schunkert & Ulrike Müller
Maritha Schunkert (li.) und Ulrike Müller posieren mit ihren Katzen.
Foto: WAZ, S. Eickershoff  +

Ein normales Körbchen reicht für die Katze von Welt schon lange nicht mehr. Mehrstöckige Kratzbäume, auf denen oben ein Tiger wartet, Federn, Mäuse und sogar Stoff-Hunde zum Spielen gibt's für die Samtpfoten in sämtlichen Variationen. Bei der Internationalen Rassekatzen-Ausstellung in der Eissporthalle sind nicht nur zahlreiche Züchter mit ihren Schönheiten angerückt, sondern auch Händler, die so manches Zubehör im Gepäck haben.
Kartäuser-Dame Elmira vom Bergerhof residiert in einer kuscheligen Stubentiger-Behausung. Nur ihr runder blauer Kopf lugt hin und wieder neugierig hervor. Ihre Züchterin Ulrike Müller hofft mit ihrem Wurf einen Preis abzuräumen. Die Bio-Lehrerin kennt sich in Genetik aus – und auch ihre Vierbeiner sind Rummel gewöhnt. Für Günther Jauch hat die Katzenliebhaberin mit ihren Tieren einmal getestet, ob die schnurrenden Zeitgenossen auch aufs Menschen-Klo gehen würden. Mit der Kamera wurden die Versuche begleitet. Ergebnis: Würden sie, wenn man sie früh genug von der Mutter entfernt und an die große Toilette gewöhnt. «Bei so einer Aktion sind natürlich auch meine Schüler ganz interessiert», erklärt Ulrike Müller.

Während die Katzen leise schnurren, schnattern die Frauchen aufgeregt durcheinander und begutachten die Konkurrenz. Jede Rasse findet ihre Anhänger. Nur bei der Sphynx, dem «Nackedei» unter den Samtpfoten, gehen die Meinungen stark auseinander. Zugegeben: Etwas gewöhnungsbedürftig sehen ihre schrumpeligen Körper aus. Aber auch für die schreiben die Wertungsrichter genau vor, wie sich die Haut in Falten zu legen hat und wie spitz die Ohren sein sollen. «Die sind unheimlich lieb und anhänglich», sagt Jana (11). Gemeinsam mit ihrer Mutter hat sie sich die Tiere zum Züchten ausgesucht – aus einem ganz pragmatischen Grund: «Dann muss man zu Hause nicht so viel Putzen.»

Am Ende darf Ulrike Müller jubeln. Elmira ist die Schönste ihrer Rasse geworden und räumt damit auch in Duisburg einen begehrten Preis ab. «Ein schönes, kuscheliges Bärchen», lobt die Jury. Für Frauchen gibt's einen weiteren Pokal, der Stubentiger freut sich indes mehr über das Futter. Für den nächsten Auftritt will die Kartäuser-Dame ja gestärkt sein.